Month: März 2016

Endlich Lieblingsblumen!

Yo, ich bin der Typ Typ, den man fragt, ob er mal ne Zigarette hat (Nein!) oder wo es zum Bahnhof geht (Immer geradeaus!) oder ob es wirklich Paralleluniversen gibt (Jein!). Ich bin nicht der Typ Typ, den man danach fragt, was für Lieblingsblumen er hat. Wahrscheinlich weil die Leute mir – völlig zurecht – ein mangelndes Interesse an unnützem Pillepalle und Nichtessbarem unterstellen.

Doch im Rahmen neuerer, umfangreicher Selbsterziehungsmaßnahmen habe ich mich entschieden, ab sofort Blumen aus der Verbannung am äußersten Rande meines Bewusstseins zu befreien und sie nicht mehr dafür zu strafen, mit Krankenhäusern, Friedhöfen und Östrogenpoesie verwandt zu sein. Ein Leben ohne Wertschätzung ist nichts wert und Wertschätzung kann sich nun einmal nicht bloß in bejahender Innerlichkeit vollziehen , sondern bedarf klarer Worte! Anders ausgedrückt, ein beherztes Votum muss her, ich muss mich – wenngleich die florale Diversität an sich schon begrüßenswert genug ist – für eine Lieblingsblume entscheiden.

Und da fällt mir die Wahl nicht schwer. ich bin auch nicht der Typ Typ für schwere Wahlen: ich entscheide mich für Kakteen! Kakteen sind ab sofort und unumstößlich meine Lieblingsblumen. Ich weiß zwar nicht, ob Kakteen unter Botanikern im Ruf stehen, Blumen zu sein, doch das ist mir völlig egal. Kakteen blühen gelegentlich und außerdem umweht sie eine karge und würdevolle Magie – was sie in meinen Augen zu Blumen macht. Eigentlich finde ich, dass sie normalen Blumen sogar an Blumenhaftigkeit überlegen sind, yo!

Schön sind viele, doch Kakteen sind die einzigen Blumen, die man bewundern kann. Sie überleben dort, wo alles andere am Arsch geht und zum Skelett wird – in der Wüste und sogar auf unserer Fensterbank. In Sachen Überleben ist der Kaktus der Boss. Bei uns zu Hause stehen welche schon seit Jahrzehnten rum, mehr oder weniger lebendig. Und da sage ich: Respekt, ihr stacheligen Fucker!

Gut, dass das endlich geklärt ist. Ein Mann muss eine Lieblingsblume haben.

Infekt

Ein halbe Stunde im Internet gesurft, hier geklickt, da geklickt und gehofft, zum Ausgleich vielleicht doch irgendwie gnadenhalber 29 oder 28 Minuten länger zu leben. Damit der Verlust nicht so immens ist.

Dann verfüge ich mich mit meiner hübschen petrol-farbenen Wolldecke aufs Sofa. Der Atem klingt wie ein antiker Pressgas-Anlasser. Jeder Knochen foltert seinen Wirt. Ich lege die Kühlkompresse auf meine Augen und harre der Wohltat. Doch stattdessen kommen Intrusionen. Eine endlose Reihe von Ohrfeigen-Visagen: Erdogan, Trump, Frauke Petry, Dieter Bohlen, Nils Ruf, Elton John, Madonna, Seehofer, Margot Käßmann, Konstantin Wecker, Jürgen Klinsman, Said Kouachi…

Kann man nicht mehr unbehelligt die Augen schließen und wohlig-leidend seine Bronchitis genießen? Das Internet sollte abgeschafft werden! Wenigstens sollten „die Medien“ restriktive Gesichtskontrollen einführen. Muss denn wirklich jede Meldung über Erdogan mit Erdogans rustikalem Anlitz geschmückt werden? Warum werden wir seit Monaten mit Donald Trumps Visage gefoltert? Ich verstehe schon, zuviel Text verklumpt das Leserhirn, aber könnte man nicht die Meldungen einfach mit Favicons oder Symbolbildern oder meinetwegen mit wertneutralen Tierphotos versehen? Mich jedenfalls würde die Abbildung einer Etruskerspitzmaus beispielsweise eher motivieren, einen Text über Frau Petry zu lesen als ein Photo von ihr. Aber letztlich ist auch das egal.

Blöder Infekt. In Ruhe leiden kann ich nicht, s.o., Drogen mag ich nicht, was soll ich tun? Ich logge mich im Urknall ein. Das Passwort ist zu kompliziert für mein fiebriges Synapsorium, aber meine Finger erinnern sich. Sie vollführen einen absurden Tanz auf der Tastatur und dann bin ich Halbmast.

Aha. In den letzten 14 Tagen begehrten 144 ukrainische, 27 russische, 5 lettländische, 3 amerikanische und 2 schwedische (!) IP’s unautorisierten Einlass in meine Katakomben. Alaska hat Ostergrüße niedergelegt und ich grüße hiermit verspätet, aber herzlich zurück.

Ich könnte jetzt einen neuen Beitrag verfassen. Diesen hier oder einen über den Kardinal Müller oder einen über Disparität und Glück.