Auf der Dachterrasse

Ich bin, weil ein Mann, unter die, in seinem Leben, Rosenzüchter, etwas erschaffen muss, gegangen.

Ich habe Rosen mit Schlafmohn gekreuzt, Blüten mit Vergessen, Rot mit Weiß, Luft mit Blei, Herrschen mit Aufgeben, Patschuli mit verschmortem Gummi, Natur mit Natur. Alles das habe ich vorsichtig gekreuzt, endlose Reihen von Fehlschlägen geduldig ertragen. Weil ein Mann – siehe oben!

Tagsüber sind die Rosen völlig harmlos – Kinder könnten damit spielen, Wachmeister sie inspiziren. Tagsüber sind die Rosen legal, sind die Rosen Rosen. Aber wenn das Licht futsch geht, es dunkler wird, dann geben die Rosen ihr Selbstsein auf und ein süßlicher, weißer Dampf steigt empor und zieht über die Terrasse. Errichtet Stunde und Imperium. Alles wird sofort süchtig, man kippt unweigerlich aus den Latschen. Gut beraten, wer sich schnell eine Liegegelegenheit sucht. Dann schaut man quasi stundenlang in den Himmel als ob da etwas Besonderes wäre.

Und sonst?

Wie schon von Samuel Beckett korrekt prophezeit, nix Neues unter der Sonne. Gut – Kohl tot, aber ist das was wirklich Neues? Strenggenommen eher nicht. Man traut sich lediglich weniger als sonst, die Zeitungen aufzuschlagen. Aus Angst vor diesem süßlichen Geruch.

Das falsche, hohe Lob sei den Lobpreisern wie dem Dahingegangenen gegönnt. Nur konnte Kohl wirklich etwas dafür, für irgendetwas, was er tat? Seine größte Leistung war das Tragen einer Strickjacke im Kaukasus, was weniger mit Weltpolitik als mit urechter innerer Provinz zu tun hatte. Und sein wertvollster Beitrag war seine Biographie, die allerdings und freilich nicht er, sondern Eckhard Henscheid verfasst hatte. Damals hatte man sich beim Lesen ein Sixpack gelacht. Man war jung, da ging das noch so einfach. Ansonsten galt 16 lange Jahre lang: nur nicht zuhören, wenn Kohl sprach! Es grassierte die Furcht vor irreperablen Hirnschäden.

Und sonst? Gestern habe ich in 10 Zwanziger-Intervallen die Langhantel gepumpt. Danach kam ich mir vor wie einer dieser knallharten Knastbrüder, die man aus amerikanischen Filmen kennt. Dann hab ich die Hantel mal gewogen. 20 Kilo. Was für ein Frust!

Trotzdem überlege ich, mir ärmerllose T-Shirts zu kaufen. Gehe auf die 60 zu. Wenn nicht jetzt, wann dann? Vielleicht auch ein Tattoo. Anker? Kreuz mit Strahlenkranz? Nackte Frau? Irgendwas halt. Der Wille zur Retro-Pubertät, der Wunsch Zeit zu schinden.

 

Der Onkel mit dem Schokolädchen

In einigen Tagen, wenn alle Arbeit abgearbeitet ist, wenn endlich wieder Zeit ist, wird an dieser Stelle ein Text stehen, der sich mit dem irisierenden Konzept der gendersensiblen Sexualpädagogik befasst. Doch bevor es soweit ist, müsst ihr alle leider Hausaufgaben machen: lest schon einmal – aufmerksam und argumentationstolerant – diesen Textboliden von Professor Uwe Sielert. Ein Vergnügen ist es nicht unbedingt, aber unser Hirn ist ja auch nicht bloß zum Gaudi-Haben da. Per aspera ad astra!

Futsch Blues

Gestern war ich ein reicher Mann.
Gestern war ich ein reicher Mann,
Ich sag‘s dir, da war ich ein reicher Mann.

Der Boss hatt‘ mirn paar Scheinchen gibbt und
nen Scheck mit ner 1 und paar Nullen dran.
Ich sag euch, der Boss, das ist ein guter Mann!

Gestern war ich ein reicher Mann.
Gestern war ich ein reicher Mann,
hört gut zu,
gestern war ich kein Leichenmann.

Gestern hatt ich paar Gramm Sonnenschein,
die Nussknacker-Chantal und die Susi mit der Milch.
Zwei, drei Runden Dom Perigon,
wir hamms waagrecht gemacht.

Gestern war ich ein reicher Mann.
Gestern war ich ein reicher Mann
und heute – na klar! –
heute ist die ganze Knete weg, weg.

Schlagt mich tot, schlagt mich platt,
keine Ahnung was geschehen ist,
hab nen Filmriss wie einst der Hasselhoff,
aber eins, dass weiß ich noch:

Gestern, war ich ne Art Millionär,
aber jetzt sind alle Taschen leer.
Ich bin des Glúckes Nachgeburt,
pleite wie der Schlecker.

Einst hatt ich nen Scheck mit paar Nullen dran,
nun sind alle Flocken futsch,
meine Fresse schmeckt nach altem Húhnerdreck,
der Schädel knattert wie ein Diesel.

Weißt du worauf ich gehe?
Weißt du worauf ich gehe?
Weißt du worauf ich geeeehe?
Rätst du es?
Ich gehe auf der Straße, Baby,
die es schon seit Adam und Eva gibt,
immer entlang, entlang.

Alles ist Straße, Baby,
alles ist Straße, Baby.
Das Glück is ne Straße, Baby.
Und das Elend auch.

Das Elend auuuuuch….