Month: Februar 2015

Dem Wahnsinn verfallen

Vor einigen Jahren begann es, da fing sie damit an. Da sagte sie, sie wolle unbedingt so ein Ding haben und ich sagte ja super, hol dir so ein Ding! Und dann fragte sie, ob ich überhaupt wisse, wovon sie rede und bevor ich verneinen konnte, erklärte sie es mir dann.

Mit dem Ding meinte sie einen DAMPFREINIGER. Einen DAMPFREINIGER! Ich musste erst einmal nachfragen, ob wir unter DAMPFREINIGER auch wirklich das Gleiche verstünden und als sie dies zu meinem Entsetzten bestätigte, hörte ich ihr nicht mehr zu. Seitdem musste ich meiner Frau sehr, sehr oft nicht mehr zuhören, denn das Thema DAMPFREINIGER ließ sie nicht mehr los. Natürlich hätte sie sich so ein gottverdammtes Ding auch einfach nur kaufen können, aber das schien ihr wohl nicht kompliziert genug und zudem hätte es sie um das Vergnügen gebracht, mich jahrelang mit der Dampfreinigergesamtproblematik zu foltern. Wahrscheinlich war es ein Fehler gewesen, ihr zu sagen, dass mich –  abgesehen vielleicht von alkoholfreiem Bier und Sibylle Bergs Meinung – nichts auf der ganzen Welt weniger interessiert als dieses Gerät.

Als heute Morgen der DHL-Mann ein Paket brachte, ging es mir eigentlich noch ganz gut. Als ich dann aber das Paket öffnete, ging es mir nicht mehr gut. Ich taumelte zum Medizinschränkchen auf der Suche nach irgendetwas, um den Blutdruck wieder zu senken, fand dort aber nur Pferdesalbe und Heftpflaster…

Sie hat tatsächlich Ernst gemacht! Sie hat so ein Ding gekauft! Nach all den Jahren! Derzeit ist sie nicht ansprechbar, ihr Blick ist starr, sie murmelt vor sich hin, lacht hysterisch auf. Es dampft und zischt im ganen Haus. Alles wird weggekärchert! Das Kind weint, die Katzen miauen, ich habe Angst.

Die Situation ist außer Kontrolle. Mein Bludruck beträgt aktuell 142 zu 85. Das Ende naht. Vielleicht steckt ein Plan dahinter, wer weiß.

Neues von der Konferenzraumteppichphotographie

Als ich im letzten Oktober drei Kleinodien der Hotelkonferenzraumteppichphotographie hier in diesem Blog veröffentlichte, war ich auf allerlei gefasst, nur nicht auf den Sturm der Begeisterung, den ich damit auslösen sollte! Nein, damit war nicht zu rechnen.

Aus aller Herren Länden erreichten mich Zuschriften postiven bis bewundernden Tenors, zumeist mit dem flehentlichen Wunsch verknüpft, mehr von dieser erzgeilen Hotelkonferenzraumteppichphotographie zu sehen. Offenbar habe ich entweder einen Nerv der Zeit getroffen oder aber eine tiefere Sehnsucht der Menschen nach lustigen Mustern affiziert oder aber beides zugleich.

Wie auch immer, ich möchte mich dem Drängen der Fans der Hotelkonferenzraumteppichphotographie nicht länger verschließen und präsentiere nun drei weitere unverwackelte Bilder vom Boden der Realität. Aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass bei einem der Exponate terra incognita betreten wird gewissermaßen, indem nämlich die an sich streng-sparsame Ästhetik der klassischen Hotelkonferenzraumteppichphotographie ganz bewusst aufgebrochen wurde und zwei Schuhe zu sehen sind, welche aber nicht als Tabubrüche dem Tabubruch zuliebe gedacht sind, sondern die eine in der Hotelkonferenzraumteppichphotographie bislang unbekannte Anmutung von Dynamik und Menschelei hervorrufen, bzw. hervorrufen sollen!

 

Triptychon2

Alpträume mit Zahnlücken

Heute um 5:oo Uhr morgens aufgewacht. Mit hämmernden Herzen, schweißgebadet, schnappatmend und bar aller Koordinaten. Springteufelchenzeit. Alles ist ungewiss, nur eins ist sicher: ich werde scheitern! Es wird eine Katastrophe geben. Ich bin der Aufgabe nicht gewachsen! Der Angstschweiß läuft in Strömen. Kein Ausweg. Zugesagt ist zugesagt. Es ist 5:00 Uhr morgens und ich bin verzweifelt.

Die Aufgabe: Essenszubereitung für cirka 25 grauenvollen Mittelschichtskindermonster (Der Kita-Koch ist krank!). Geschöpfe ohne Gnade. Verzogen und bösartig allesamt.
Die Aufgabe: Kochen, aber bitte so, dass die Kinder was essen. Also Bio und ohne Geschmack. Würzen tabu. Die kleinen Lieblinge mögen das nicht. Eigentlich mögen die gar nichts…
Die Aufgabe: Kochen ohne die Nerven zu verlieren.

Als ich die Kita später betrete, springen mich unverzüglich die ersten Monster an.
Was machst du heute hier?
N. ist krank, ich soll für euch was kochen, ihr lieben Kinder! entgegne ich ängstlich.
Iiihhh! schreien sie.

Wie gesagt. Ich werde scheitern. Es wird ein Desaster. Nicht die Nerven verlieren. Niemanden umhauen!

Die Rache: ich habe heimlich ein bisschen Muskatblüte in das Kartoffelpüree gerieben. Ein bisschen Aroma wird sie aus dem Konzept bringen…

 

Neue Universalien

1991 veröffentlichte der amerikanische Anthropologe Donald E. Brown sein Buch Human Universals und führte darin allerlei homosapiensmäßige Verhaltensweisen und kognitive Grundmuster auf, von denen er glaubte, sie seien kulturübergreifend und irgendwie zeitlos und die er deshalb zum Inventar der menschlichen Natur zählte. Mit sonniger Chuzpe und mit erfrischender Respektlosigkeit gegenüber der antiken und mittelalterlichen Philosophie nannte Brown diese hartnäckigen menschlichen Macken und Ticks „Universalien“, obwohl mit „Universalien“ ja eigentlich (hypothetische) metaphsische Entitäten (Ideen) gemeint sind, also etwas völlig anderes. Um seine begriffliche Unbekümmertheit auf die Spitze zu treiben, sprach Brown sogar von – bitte festhalten! – OBERFLÄCHENUNIVERSALIEN, ganz so, als wolle er beweisen, dass für einen echten Amerikaner eine contradictio in adiecto nur ein Fliegenfurz ist.

Doch in Zeiten multipler Antagonismen und des allgegenwärtigen Zanks sollten wir uns begrifflichen Kleinmut verkneifen und uns wieder der Gemeinsamkeiten aller Menschenkinder entsinnen. Egal ob du Grieche bist oder Deutscher, ob du Salafist bist oder intelligent ob du den Mainzer Karneval für lustig hältst oder ob du wirklich Humor besitzt, ob du Mann bist oder Maus, ob du eine Schnalle bist oder ein Bügelbrett, ob du in der Finanzwirschaft arbeitest oder ob du ein nützliches Mitglied der Gesellschaft bist, ob du für Kunst und Freiheit bist oder ProQuoteRegie : wir alle stammen vom Affen ab und müssen zusammen halten!

Und deshalb finde ich Browns Ansatz gut. Schluss mit dem ganzen Relativismus und so! Wir brachen Universalien! Mehr Universalien! Aus diesem Grunde habe ich in den letzten Tagen die Wirklichkeit sehr aufmerksam beobachtet und – es dürfte niemanden überraschen! – dabei gleich ein halbes Dutzend brandneuer Universalen entdeckt! Bitte schön, erkenne dich selbst, Meinesgleichen:

1. Im Parkhaus das Parkticket zwischen den Lippen einklemmen.

2. Die Fernbedienung für den Fernseher unter dem Sofa suchen.

3. Anderen die Schuld geben.

4. Im Verkehrsstau stehen und die Nasenlöcher deflorieren.

5. Angela Merkel Mutti nennen.

6. Ausrechnen, wieviel Artgenossen in genau diesem Augenblick weltweit simultan bumsen.

Zwei Ärgernisse an einem Morgen

1. Das soll Deflation sein? Der Liter Diesel kostete heute früh wucherhafte 1,14 Euro! Gestern noch waren es 105,9 Euro! So macht das Tanken echt keinen Fun mehr!

2. Geärgert habe ich mich zudem über die mollige Brötchen-Verkäuferin, dann über mich, dann wieder über die mollige Brötchen-Verkäuferin und schließlich noch einmal über mich…

Dabei wollte ich einfach nur einen Vollkorn-Wurzelzwerg kaufen, mehr nicht. Einfach nur einen verdammten Wurzelzwerg. Ist das zu viel verlangt? Doch was macht sie, die Verkäuferin? Sie reißt mich mit ihrem aufgekratzt-freundlichem Halli-Hallo-einen-wunderwunderschönen-guten-Morgen! rücksichtslos aus meiner post-somnabulen Misanthrophie! Zur Strafe habe ich nur vor mich hin geknurrt.

Dann tat es mir aber leid. Was für ein blöder Muffkopf ich doch bin! Da ist mal jemand nett und dann…

…fiel mir ein, dass ihre Freundlichkeit womöglich nur gestellt ist, gar nicht echt ist, nicht aus tiefsten Herzen kommt, sondern nur Teil einer abgefeimten Taktik zum Zwecke der Beförderung zur Chefbrötchenverkäuferin. Nur um dann, wenn sie ihr schäbiges Ziel erreicht hat, fortan fies zu ihren Kolleginnen zu sein und zu alten Omas, die scharf auf Hefezöpfe sind!

Doch da hat sie die Rechnung ohne mich gemacht! Ich habe also nicht nur weiter geknurrt, sondern auch noch extra böse gekuckt!

Als ich schlußendlich wieder im Auto war, ging mir auf, dass ich eventuell ein ziemliches Arschloch bin und besser heute zuhause geblieben wäre.